Exkursion: Grenzlandschaft Reschen
Dr. Waltraud Kofler-Engl
Der Reschenpass ist mit dem Brennerpass einer der wichtigsten historischen Alpenübergänge. Er war Teil der römischen Straße Claudia Augusta und ist Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Diese geographische Barriere wurde jedoch erst mit der Annexion Südtirols durch Italien im Jahr 1919 zur Staatsgrenze und nach der Machtergreifung des Faschismus zu einer politischen, ideologischen und militarisierten Grenzlandschaft.
Davon zeugen bis heute zahlreiche bauliche Spuren in der Landschaft. Bauten wie das Ossarium (Mausoleum für die italienischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges) an der Straße von Mals nach Graun sowie militärische Infrastrukturen als Teil des Vallo Alpino – darunter Kasernen, Militärstraßen, Panzerabwehrsperren und Bunker – nahmen die Grenzlandschaft des obersten Vinschgaus ideologisch und militärisch in Besitz. Einer der Bunker überbaute die Etschquelle und demonstrierte damit auch symbolisch die Eroberung und Kontrolle der Wasserscheide.
Neben der militärischen und ideologischen Inbesitznahme spielte auch die wirtschaftliche Nutzung eine entscheidende Rolle. Die bereits 1939 geplante staatliche Nutzung der vorhandenen Wasserressourcen zur Stromerzeugung, die 1950 für eines der leistungsstärksten Kavernenkraftwerke der Region zur Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie zur Flutung der historischen Ortskerne von Altgraun und Reschen führte, zeigt die folgenschwere ökonomische Beanspruchung. Aus dem Stausee ragt bis heute der Kirchturm von Alt-Graun – ein weithin sichtbares Mahnmal für diesen tiefgreifenden Eingriff.
Mit der Aufhebung der Grenzkontrollen an den europäischen Binnengrenzen hat sich die Bedeutung der Region in den letzten Jahrzehnten erneut verändert. Die traditionellen Verkehrsverbindungen nach Nordtirol und in die Schweiz begünstigen heute einen intensiven wirtschaftlichen, touristischen und kulturellen Austausch über die Grenzen hinweg.
Die Exkursion im Rahmen des Studium Generale „Grenzlandschaften. Erinnerung, Identität und aktuelle Grenzfragen“ führt zu materiellen Zeugnissen in der Landschaft und thematisiert Fragen der sichtbaren und unsichtbaren symbolischen, militärischen und ökonomischen Inbesitznahme einer exemplarischen Grenzlandschaft.
Programm / Anreise / Kosten
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Bozen
Abfahrt Regionalzug 17129 08:01 Uhr
bis Meran Bhf Ankunft 08:45 Uhr
Meran Bhf Bus B250 Mals Express 08:53 Uhr
bis Mals Bhf Ankunft 10:23 Uhr
Mals Bhf Bus 273 Reschenpass 10:40 Uhr
bis Reschen Zentrum Ankunft 11:08 Uhr
Treffpunkt: Parkplatz Sportplatz Reschen, Waldbodenweg 4 / Campo Sportivo Resia via Waldboden 4 gegen 11:15 Uhr
Von hier Aufstieg zur Panzersperre von Plamort mit Ausführungen von Dr. Waltraud Kofler Engl zur Grenzlandschaft Reschen und seiner Militarisierung ca. 90 min (ungefähr 500 Höhenmeter)
13:00 Uhr Geführte Begehung mit Dr. Waltraud Kofler Engl und Mittagspause bei der Panzersperre Plamort
Abstieg 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr ca.
Begehung Etschquellbunker gegen 15:30 Uhr mit Ludwig Schöpf
Bus zurück
Reschen Zentrum Bus 273 Mals 16:52 Uhr
bis Mals Bhf Ankunft 17:20 Uhr
Mals Bhf Bus B250 17:36 Uhr
bis Meran Bhf Ankunft 19:07 Uhr
Meran Bhf R16142 19:16 Uhr
bis Bozen Bhf Ankunft 20:00 Uhr
Unbedingt erforderlich: Warme Kleidung für den Bunkerbesuch und gutes Schuhwerk für die Wanderung. Selbstversorgung auf Plamort mit Proviant. Es ist kein Aufenthalt in einer Hütte geplant.
Kosten für die Bunkerbegehung 8 € (möglichst in bar mitbringen)
Alternativ zur Wanderung ist der individuelle Aufstieg mit der Bergkastel-Bahn von Nauders aus möglich. Hierfür den Bus 273 von Mals bis zur Haltestelle Nauders Mühle nehmen (Ankunft 11:15 Uhr) von hier aus um 11:24 Uhr Bus 210 nach Bergkastel Ankunft 11:28 und dort die Bergbahn nehmen. Von der Bergstation aus ist mit einem Fussweg von ca. 30 min bis nach Plamort zu rechnen.
Die Kosten für die einfache Bergfahrt betragen ca. 23 € pro Person.
Bei sehr schlechter Witterung wird die Wanderung nach Plamort durch den Besuch des Museums Vinschger Oberland in Graun ersetzt (Kosten bei 5 € für den Museumsbesuch).
Vorherige Anmeldung erforderlich: kulturerbe@unibz.it