21 Apr 2021
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Vortragsreihe: Ein fragiles Kulturerbe. Architektur des 20. Jahrhunderts erhalten

Die Moderne als architektonische Sprache wurde in den Dienst unterschiedlicher Mythen und Ideologien gestellt. Sie selbst ist zum Mythos geworden, denkt man an die jüngste Restaurierung des Bauhausgebäudes in Dessau und wie viel an Bewahrung von Bild und Materie eines einzelnen Gebäudes sowie von der radikalen Utopie die es noch immer zu evozieren vermag auf dem Spiel steht. Aber es ist ein fragiler Mythos, da seine Konsistenz in einer abstrakten, intellektuellen Dimension angesiedelt ist, während sein figurativer, materieller, konstruktiver und symbolischer Wert noch darum ringt einen unbestrittenen Platz in der kollektiven Wahrnehmung zu finden. Der Schutz der Moderne wirft daher eine Reihe von Fragen auf, die nicht einfach zu beantworten sind. Wie kommt die Architektur der jüngsten Vergangenheit in die Geschichte? Wie geht man mit den Konflikten um, die unweigerlich um seine „Patrimonialisierung“ entstehen? Wie kann seine Materialität angesichts neuer Nutzungen und neuer Bedürfnisse geschützt werden? Wie kann man seine Erhaltung vor dem Hintergrund von gesetzlichen Lücken, verbreiteten Praktiken der Vernachlässigung, mangelnder Wartung oder invasiver Umwandlungen handhaben?

Der Vortragszyklus “Ein fragiles Kulturerbe. Architektur des 20. Jahrhunderts erhalten” hat das Ziel, einige nationale und internationale Fallstudien zum Schutz, zur Erhaltung und Sanierung von Werken oder Werkgruppen, die emblematisch für das letzte Jahrhundert sind zu analysieren, ein konzeptionelles Raster und eine Reihe von Interpretationswerkzeugen zu identifizieren, welche geeignet sind die Debatte zum architektonischen Erbe des 20. Jahrhunderts anzuregen und zu fördern. Damit soll die Grundlage für eine Fortsetzung des Diskurses in einer zweiten Vortragsreihe im Herbst gelegt werden, die sich auf lokale Fälle des Erbes der Moderne in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino mit besonderem Blick auf die Stadt Bozen konzentrieren wird. Neben der Identifizierung möglicher methodischer Anregungen soll eine breitere Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert und das Wissen zum gebauten Erbe und zu seiner historischen, architektonischen und städtebaulichen Bedeutung gefördert werden.