15 Apr 2026
DE, Bibliothek Tessmann

Vortrag Michael Falser

Über Grenzen? Von San Diego bis Triest! Zur Entstehung, Überwindung und Erforschung von Grenzlinien, Grenzräumen und Grenzlandschaften 

Wie entstehen Grenzen? Was passiert auf beiden Seiten von Grenzlinien? Welche kulturellen und künstlerischen Praktiken entstehen in Grenzräumen, und welche technischen Regime stabilisieren weiträumige Grenzlandschaften bzw. helfen sie miteinander zu verbinden? Und wie können wir diese ambivalenten Formationen aus historischer Sicht verstehen und aus zeitgenössischer Perspektive bewerten? Dieser Vortrag beleuchtet diese Fragen aus einer interdisziplinären Herangehensweise, die Aspekte der Kunst- und Architekturgeschichte, der Infrastrukturforschung und den Cultural Heritage Studies mit einbezieht. Dabei führt die Reise zuerst in den kuriosen Chicano Park im südkalifornischen San Diego/USA, wo eine mexikanisch-amerikanische Arbeitergemeinde Ausgrenzungs-Politik mit monumentalen Graffiti-Kunstwerken begegnet. Das zweite Fallbeispiel führt zurück in das historische Europa und beleuchtet, wie die Eisenbahn als (binnen)koloniales Leitmedium des 19. Jahrhunderts von Wien als Zentrum dabei half die Kulturräume der späten Habsburgermonarchie bis an ihre Grenzen – und damit von Lemberg bis Bozen und Trient, bzw. von Reichenberg bis Triest und Sarajevo – zu vernetzen.

CV

PD Dr.-Ing. Mag. Michael Falser

Der Architektur- und Kunsthistoriker studierte in Wien und Paris und promovierte an der TU Berlin zur politischen Geschichte der Denkmalpflege. Nach einer Tätigkeit als Denkmalpflege-Architekt in den USA war er wissenschaftlicher Assistent an der LMU München und der ETH Zürich. Als Projektleiter für Global Art History und Cultural Heritage Studies im Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“ an der Universität Heidelberg habilitierte er sich 2014. Es folgten Gastprofessuren in Kyoto, Heidelberg, Wien, Bordeaux, Paris-Sorbonne und Ottawa sowie von 2020 bis 2024 ein DFG-Heisenberg-Fellowship an der TU München mit einem Forschungsprojekt zur deutsch-kolonialen Architektur in Afrika, Asien und Ozeanien. Derzeit ist er Privatdozent am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg sowie freiberuflich als Gutachter und Kurator in Wien tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der globalen Kunst- und Architekturgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts, den Cultural Heritage Studies, der Denkmalpflege und dem UNESCO-Weltkulturerbe Zu seinen jüngsten Publikationen zählen Monuments and Sites De-colonial! Approaches to the Built Heritage of the German Colonial Era. Berlin 2024; Habsburgs going global. The Austro-Hungarian Concession in Tientsin/Tianjin in China (1902-1917). Wien 2022 und Angkor Wat – A Transcultural History of Heritage. Berlin 2020.