Die „Mies“-Macher:
Das Ehepaar Sophie & Alois Riehl und Ludwig Mies van der Rohe – Ein Dachbodenfund wird erstmals öffentlich vorgestellt
Abstract:
In dem Vortrag wird erstmals ein in Umfang und Inhalt absolut außergewöhnlicher Dachbodenfund der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Fund umfasst ein umfangreiches Konvolut von rund 1.000 Briefen und Dokumenten, die sowohl Korrespondenz des Ehepaars Sophie und Alois Riehl (1844–1924) als auch Briefe aus ihrem familiären Netzwerk abbilden. Der Referent Carsten Kriegenburg gewährt neue und sehr intime private Einblicke in das Leben und das Umfeld des aus Bozen stammenden Philosophen und Universitätsprofessors Alois Riehl und seiner Frau Sophie. Alois Riehl war der Bruder des Ingenieurs und Unternehmers Josef Riehl.
Neben den schriftlichen Dokumenten werden auch etwa 60 bisher unbekannte Autochrome der Familie aus den Jahren 1910–1913 vorgestellt. Diese seltenen frühen Farbfotografien zeigen historisch äußerst wertvolle Aufnahmen von Südtiroler Landschaften und Orten wie dem Ritten, dem Rosengarten, dem Schlern, Bozen, Seis und Kastelruth. Ein besonderes architekturgeschichtliches Highlight dieses fotografischen Schatzes sind die einzig existierenden Farbaufnahmen des Hauses Riehl in Potsdam-Neubabelsberg – dem berühmten Erstlingswerk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe von 1908–09.
Der Vortrag gibt einen ersten Überblick über das vorhandene Material und beleuchtet dessen mögliche Bedeutung für die Philosophie-, Kultur- und Architekturgeschichte.
CV
Carsten Kriegenburg ist Bauingenieur und Sachverständiger und privat seit Jahrzehnten als umtriebiger Sammler von historischer Film- und Fototechnik sowie entsprechenden Film- und Fotodokumenten unterwegs. Dem geschulten Blick des passionierten Sammlers verdankt die Forschung einen sensationellen Fund: Über eine Online-Auktion erwarb er vor einigen Jahren das Riehl-Konvolut ungesichtet als „Katze im Sack“. Statt das Konvolut gewinnbringend zu zerschlagen oder einzulagern ist er seit dem Kauf dabei diesen Schatz in aufwändiger Transkriptionsarbeit zu heben und durch umfangreiche Recherchen zum Thema zu ergänzen. Durch die präzise Auswertung des Fundes konnte er u.a. die entscheidende Rolle des Ehepaars Riehl als frühe Förderer und „Macher“ hinter der Weltkarriere von Ludwig Mies van der Rohe aus der Biografie der Riehls heraus belegen.