Erika Kustatscher

PD Dr. Erika Kustatscher ist in Brixen geboren, besuchte dort das Humanistisches Gymnasium, studierte an der Universität Innsbruck Geschichte, deutsche und klassische Philologie (Latein) wo sie 1987 bei Prof. Josef Riedmann promovierte. Nach der Ausbildung in Paläographie, Diplomatik und Archivkunde war sie am Südtiroler Landesarchiv als Volontärin tätig und viele Jahre Gymnasiallehrerin. Ab 2008 nimmt sie Lehraufträge am Institut für Geschichte und europäische Ethnologie der Universität Innsbruck wahr und habilitierte sich 2014 für das Fach Österreichische Geschichte. Seit 2017 ist sie Direktorin des Diözesanarchivs in Brixen. Erika Kustatscher ist Autorin von acht Monographien und zahlreichen Aufsätzen aus den Bereichen Quellenedition, Sozialgeschichte, Kirchen- und Theologiegeschichte sowie Geschichte politischer Ideen mit jeweiligem Bezug zur Tiroler Landesgeschichte bzw. zur Geschichte Österreichs. Zudem ist sie Trägerin des „Walther von der Vogelweide“ Förderpreises (1994), des Förderungspreises des Landes Tirol für Wissenschaft (1996) und des Theodor-Körner-Förderpreises (2002).

Archive: Arsenale der Macht und Schlüssel zum Menschen

Nach einer einleitenden Definition des Begriffs „Archiv“ wird dieselbe problematisiert, sei es aufgrund der Erfahrungen im Tagesgeschäft, sei es mit Blick auf die gesellschaftliche Sprachregelung. Es folgt ein historischer Abriss, der den Wandel des Archivs vom Reservoir grundlegender Rechtstitel zu einer Stätte wissenschaftlicher Forschung nachzeichnet. Das Ende des Ancien Régime bedeutete hierbei eine Zäsur. Die Entwicklung des Archivbegriffs verlief weitgehend parallel zur Entstehung der modernen Geschichtswissenschaft. Zum besseren Verständnis dieses Nexus werden zentrale Begriffe aus der Archivkunde erklärt und Probleme der Alltagsarbeit im Archiv angesprochen. Die Ausführungen, die, ausgehend vom Diözesanarchiv Brixen, besonders das klassische historische Archiv in den Blick nehmen, kulminieren in grundsätzlichen Überlegungen zur Rolle der Archivare: Deren Aufgabe wird nicht primär im sogenannten Records Management gesehen, sondern in der aktiven Anteilnahme an der Forschung, ja an der teilweisen Mitgestaltung derselben. Dies ist mit einem hohen ethischen Anspruch verbunden.